Fachbegriffe Ferngläser und Spektive


Vergrößerung

Die Vergrößerung ist ein Maß für die empfundene Annäherung eines Objekts. Ist ein Objekt 700 Meter entfernt, so entspricht die empfundene Entfernung, mit einem Fernglas (z.B. 7 facher Vergrößerung) betrachtet, nur 100 Meter. Allerdings sind der Vergrößerung ohne Stativ Grenzen gesetzt. Ab einer Vergrößerung von 10x wird eine sehr ruhige Hand benötigt, um das Bild stabil zu halten und nicht zu verwackeln. Darüber hinaus sei noch erwähnt, je kleiner die Vergrößerung bei gleichem Frontdurchmesser, desto lichtstärker ist ein Fernglas. Beispielsweise haben die Ferngläser 10x50 und 12x50 denselben Öffnungsdurchmesser (50mm), unterscheiden sich jedoch in deren Vergrößerungen. Daraus lässt sich schließen, das 10x50 ist lichtstärker als das 12x50.

Eintrittspupille

Der optisch wirksame Linsendurchmesser der Frontoptik (Objektivdurchmesser) ist in der Bezeichnung eines Fernglases mit angegeben. Er wird auch als Durchmesser der Eintrittspupille bezeichnet. Als Faustregel gilt: je größer der Durchmesser der Frontoptik desto lichtstärker ist das Fernglas bei konstanter Vergrößerung. Allerdings sei bedacht: auch das Gewicht des Glases nimmt mit dem Durchmesser der Eintrittspupille zu.

Austrittspupille

Wichtig für den Einsatz während der Dämmerung bzw. bei schlechten Lichtverhältnissen ist der Durchmesser der Austrittspupille. Dieser gibt an, wie groß das maximal ins Auge fallende Lichtbündel ist. Direkt sichtbar wird die Austrittspupille indem man das Okular in größerer Entfernung vor das Auge hält, dabei wird ein heller Lichtkreis im Okular erkennbar. Rechnerisch lässt sich die Austrittspupille durch das Verhältnis der Eintrittspupille bzw. Objektivdurchmesser zur Vergrößerung bestimmen.

Dämmerungsgläser

Ferngläser mit einem Austrittspupillendurchmesser von 7 mm werden als Dämmerungsgläser bezeichnet. In heller Umgebung begrenzt die natürliche Augenpupille den einfallenden Lichtstrahl auf einen Durchmesser von 2 – 3 mm. Während der Dämmerung öffnet sich die natürliche Augenpupille auf einen Durchmesser von ca. 7 mm. Erst dann kommt die Stärke eines Dämmerungsglases zum Tragen.

Dämmerungszahl

Ein Maß für die Detailerkennbarkeit bei schlechten Lichtverhältnissen ist die Dämmerungszahl eines Fernglases. Sie errechnet sich aus der Wurzel des Produkts der Vergrößerung und dem Durchmesser der Eintrittspupille. Allerdings lässt sich über die Dämmerungszahl keine direkten Schlüsse auf die Lichtstärke eines Fernglases ziehen. Ein aussagekräftigeres und physikalisch konkreteres Maß ist die fotometrische Lichtstärke eines Fernglases. Sie beschreibt die Konzentration der Leistung innerhalb des ins Auge fallenden Strahlungskegel.

Sehfeld

Neben Vergrößerung, Objektivdurchmesser, Dämmerungszahl und Gewicht, muss das Sehfeld zur vollständigen Definition eines Fernglases mit angegeben werden. Die Angabe des Sehfeldes bezieht sich auf das zu erfassende Bildfeld in 1000 Meter Entfernung. Ein großes Sehfeld wird als angenehm empfunden und wirkt gerade bei hohen Vergrößerungen als stabilisierend. Aus diesem Grund ist es wichtig bei Spektiven mit 20 facher oder 30facher Vergrößerung Okulare mit dem Attribut WW für Weitwinkel einzusetzen. Ein Standartokular würde das Sehfeld unnötig beschränken.

Austrittspupillenschnittweite/ Brillenträgerferngl

Falls Sie Brillenträger sind und ihr Fernglas mit Brille nutzen möchten ist es wichtig, auf die Austrittspupillenschnittweite zu kontrollieren. Eine Austrittspupillenschnittweite von mindestens 16 mm sollte dem Brillenträger ein Sehfeld ohne Beschneidungen garantieren. Allerdings ist darauf zu achten, die Augenmuscheln zu versenken bzw. umzustülpen.

Dioptrienausgleich

Bei fast allen Menschen unterscheidet sich die Sehstärke auf dem rechten und linken Auge. Um das Fernglas optimal einzustellen reicht meistens der Mitteltrieb (simultane Einstellung beider Fernglashälften auf die Objektentfernung) nicht aus. Durch einen Dioptrienausgleich kann das Ungleichgewicht zwischen beiden Augen ideal ausgeglichen werden. Dabei wird zuerst über den Mitteltrieb das Fernglas mit dem linken Auge vorjustiert, um im Anschluss das rechte Auge über den Dioptrienausgleich nachzufokusieren. Somit sind beste Voraussetzungen für eine entspannte Beobachtung über einen längeren Zeitraum gegeben.

Mehrschichtvergütung

Ein wichtiger Beitrag zur Bildqualität ist die reflexmindernde Beschichtung jeder Linsenoberfläche im Fernglas (auch Mehrschichtvergütung genannt). Ohne reflexmindernde Schichten, würde bei jedem Glas- Luft Übergang durch Reflexion 4 % der transmittierten Lichtstärke verloren gehen. Moderne Fernoptiken besitzen eine hohe Anzahl von Linsen und damit durch viele Glas-Luft Übergänge. Durch gezielte Wahl der Beschichtungsmaterialien sowie der Schichtdicken, kann der Lichtverlust jeder Glas - Luft Fläche auf ca. 0.5% reduziert werden.

HDF Systeme

Ein Qualitätsmerkmal für Ferngläser ist die „HDF“ Bezeichnung . Bei diesen „High Definition Fluorit“ Systemen werden Gläser verwendet, die auf der einen Seite einen sehr großen Fertigungsaufwand benötigen, andererseits sich sehr positiv auf die Farbtreue des Bildes auswirken. Besonders deutlich wird der Effekt an kontraststarken Übergängen, wo Farbränder sehr stark vermindert werden.

Argon- bzw. Nitrogenfüllung

Ist das Fernglas einsatzbedingt starken Temperaturwechseln ausgesetzt, so kann kondensierte Feuchtigkeit aus der Luft einen Beschlag auf den inneren Linsenoberflächen verursachen. Durch das Befüllen der Systeme mit den Edelgasen Argon bzw. Nitrogen kann ein Anlaufen der Linsen im Inneren des Systems verhindert werden. Für die Langlebigkeit der Argonfüllung ist ein wasser- und luftdichtes System Voraussetzung.

Prismen

Ein oft diskutierter Aspekt bezüglich der Bildqualität eines Fernglases ist das verwendete Prismensystem. Hier wird hauptsächlich zwischen einem Porro- und einem Dachkant – Prismensatz unterschieden. Ferngläser mit einem Porro - Prismensatz besitzen in der Regel einen größeren Schärfentiefenbereich, bauen in der Regel etwas breiter, haben einen kleinen Versatz der Objektachse zur optischen Achse und werden besonders bei großen Objektivdurchmesser schwer und unhandlich. Dagegen erreicht ein Dachkant - Prismensystem nur mit einer speziellen und teuren Phasenkorrekturbeschichtung die geforderte Bildqualität, punktet allerdings durch schmale und handliche Bauform und geringerem Gewicht besonders bei großer Eintrittspupille.