Übernahme von Optolyth Optik durch Sill Optics


Wendelstein, 14.10.2004

Optolyth lebt weiter - in Wendelstein
Sill Optics übernimmt insolventen Traditionsbetrieb - Arbeitsplätze erhalten, aber verlagert

Oed. "Meine Philosophie ist es, dass man diese Qualitätsprodukte auch weiterhin vollständig in Deutschland herstellen kann!": Berndt Zingrebe, Geschäftsführender Gesellschafter der Sill-Firmengruppe, führt die Marke "Optolyth" in eine neue Zukunft. Der Hersteller von Ferngläsern und Spektiven, seit 1941 in Oed ansässig, ging in Frühjahr in Insolvenz. Zingrebe erwarb die Firma und erhält die 16 Arbeitsplätze.


Einziger Wermutstropfen: Die Beschäftigten müssen künftig pendeln nach Wendelstein bei Nürnberg, an den Stammsitz von Sill Optics.

Doch zurück zu den Anfängen: Sill und Optolyth haben einen gemeinsamen Gründer (1856), gehörten Jahrzehnte zum gleichen Haus und trennten sich 1894. Berndt Zingrebe kannte das Haus in Oed aus eigener Tätigkeit. Als dort der Insolvenzfall bei der Besitzer-Familie Roth eintrat, machte Zingrebe dem Insolvenzverwalter ein Angebot und erhielt den Zuschlag - wohl auch deswegen, weil er aus sozialer Verantwortung die Beschäftigten mit übernahm.

Zingrebe, der die Firma Sill 1994 reprivatisierte aus einem internationalen Unternehmensverbund, beschäftigt derzeit knapp 100 Mitarbeiter in Wendelstein, darunter 20 Auszubildende. Die Firma produziert Komponenten für Laseroptik, telezentrische Objektive, Profil-Projektions-Objektive, Beleuchtungs- und Standard-Optiken. "Die Fertigung der Optolyth-Produkte passt nahtlos in den hochmodernen Maschinenpark von Sill!"

Die flexible Firma hat sich auf Nischenproduktionen und Kleinserien nach Kundenwünschen spezialisiert und schaffte in den letzten zehn Jahren eine Umsatzsteigerung von drei auf nunmehr über neun Millionen Euro.

An Auszeichnungen erhielt sie bereits den "Jobstar" der Region Nürnberg und den Unternehmerpreis der SPD-Landtagsfraktion für die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen. Daneben krönen viele Zertifizierungen die Traditionsfirma.

"Optolyth wird partizipieren von unserem Maschinenpark!", meint Zingrebe, der die Qualität der weltweit bekannten Marke weiter steigern will. Schließlich stehen in Wendelstein hochgerüstete optische Rechner zur Verfügung, neue Vergütungstechnologien wurden eingekauft. Der Unternehmer erwarb übrigens nur die Firma mit sämtlichem Zubehör wie Patenten etc., aber nicht die Immobilie in Oed: "Die Aktion macht nur Sinn, wenn auch in Wendelstein gefertigt wird!"

Auftritte von Optolyth für den Bereich Jagd sind geplant auf der IWA 2005 in Nürnberg und der "Shot Show" in Las Vegas. Dort wird der Weltöffentlichkeit die Produktpalette präsentiert, die kaum verändert ist: Ferngläser der Royal- und Alpine-Serie sowie
die Spektiv-Kollektion.

Alle mechanischen Teile werden übrigens von Zulieferern aus Deutschland bezogen, die seit langem mit der Firma in Geschäftsbeziehung stehen und Zingrebe in seiner Made-in-Germany-Philosophie unterstützen. "Phantasie, Initiative, schlanke Produktion ohne Verwaltungs-Wasserkopf, das ist die Botschaft an den Kunden!", so Zingrebe. Optolyth-Artikel sind weiter im Fachhandel und großen Jagd-Versandhäusern
zu beziehen.

 

Umzug, 60 Kilometer weit

Mit den Mitarbeitern oder dem Betriebsrat habe es keine Probleme gegeben, so Zingrebe, ja, er sei sogar seinerzeit im Insolvenzfall von Belegschaftsmitgliedern gefragt worden, ob er nicht den Betrieb übernehmen könne. 16 Mitarbeiter werden also ihren Arbeitsplatz nach Wendelstein verlagern, 60 Kilometer von Oed entfernt.

Kunden und Zulieferer hätten die Übernahme positiv aufgenommen, freut sich Zingrebe, der einst selbst Feinoptik und -mechanik gelernt hat. Die Belegschaft sei gut und motiviert, die Qualität stimme, die Leute würden sich in Wendelstein wohlfühlen. "Die Aktion ist eine Zusage an den Wirtschaftsstandort Deutschland!"